Hier können Sie sich die Neubürgerbroschüre der Stadt Mettmann downloaden.
Am 27. Juni 1954 beschloss der Rat der Kreisstadt Mettmann einstimmig, die Patenschaft über die Stadt Angerapp zu übernehmen, am 30.11.1955 die Patenschaft auch auf den Kreis Angerapp auszudehnen. Mettmann wurde zum Treffpunkt für die ehemaligen Bewohner von Stadt und Kreis Angerapp - im Nordosten der ehemaligen Provinz Ostpreussen gelegen, dem heutigen Gebiet der Oblast Kaliningrad/Königsberg mit Status einer Exklave; heute räumlich durch litauisches sowie polnisches und darüber hinaus weißrussisches beziehungsweise lettisches Territorium vom restlichen Russland getrennt-.
Die Delegation - 2. stellvertretender Bürgermeister Horst-Dieter Fischer und Frau, die Ratsmitglieder Renate und Wolfgang Petschull, der Patenschaftsbeauftragte in der Verwaltung, Gunther Kippermann - verstärkt durch die derzeitig kommissarische Kreisvertreterin der Gemeinschaft Angerapp, Edeltraut Mai - kamen einer Einladung des dortigen Bürgermeisters und Landrates Sergej K. Kusnezov nach, der zur den "Osjorsker Feiertagen" - einer Art Stadtfest - eingeladen hatte. Der doch strapaziösen Zugfahrt von Mettmann über Berlin-Lichtenberg nach Kaliningrad folgte eine weitere 3stündige Busfahrt nach Gussew ins Hotel "Kaiserhof", fürsorglich betreut von Irina Palamatschuk, der Dolmetscherin und Katerina Yuldasheva, der stellvertretenden Bürgermeisterin. Am Samstagmorgen hatte Bürgermeister Kusnezov zu einem "erweiterten" Frühstück ins Rathaus eingeladen, an dem auch die übrigen Delegationen aus Litauen, Polen und anderen russischen Gemeinden teilnahmen. Bevor er ab 12.00 Uhr die Gäste auf der Bühne im Stadtzentrum begrüßte, konnte sich die Mettmanner Delegation von der Geschichte Angerapps im Museum unter fachkundiger Auskunft des Leiters, eines Historikers, insperieren lassen.
2. stellvertr. Bürgermeister Horst-Dieter Fischer überbrachte die Grüße von Bürgermeister Bodo Nowodworski und überreichte im Rahmen der Eröffnung des Festes auf dem "Platz des Sieges" als Gastgeschenk u.a. eine Fotocollage mit Motiven alter und neuer Mettmanner Objekte - gestaltet durch den auch durch das Jubiläumslogo 2004 bekannten Mettmanner Grafiker Ingo Grenzstein. Einer Parade in Marschkolonnen: Mütter mit Kinderwagen, Kinder auf Fahrrädern, Schülern in selbstgefertigten Kostümen, Ehrenbürgern und Veteranen schloss sich ein Arbeitsgespräch zwischen Mettmanner und Osjorsker Vertretern unter der Leitung der beiden Bürgermeister an. Hierbei wurde deutlich, das neben den jederzeit willkommenen Hilfsleistungen - Einrichtungsgegenstände für Schule, Medizinische Geräte für das Krankenhaus - auch und vor allen Dingen die bilaterale Zusammenarbeit und ein verstärkter Informationsaustausch im Vordergrund stehen sollte, also "Hilfe für Selbsthilfe". So besteht ein starkes Interesse an Informationen zur Ausbildung von Technikern und Meistern für Landwirtschaftliche Betriebe - ggfs. unter Mitwirkung der hiesigen Landwirtschaftsschule. Das Interesse für technisches Know How an und mit Landmaschinen wird Priorität - man muss dabei bedenken - dass der größte Teil der landwirtschaftlichen Fläche immer noch brach liegt, und wenn betrieben, meistens der Selbstversorgung dient. Der Vermittlung von Fachwissen in den Bereichen Bauplanung, Finanzplanung, Landwirtschaft, Gewerbe, Industrie und Soziales - wird höchste Priorität eingeräumt. Fragen der Entsorgung stehen ebenfalls im Vordergrund -. 2. stellvertr. Bürgermeister Horst-Dieter Fischer und das Ehepaar Petschull versprachen, sich in Mettmann verstärkt für diese Belange einzusetzen, gaben aber auch gleichzeitig zu bedenken, dass zunächst einmal seitens der Stadt Osjorsk konzeptionelle Vorstellungen im Einzelfall entwickelt werden müssten, lieber sich um ein oder zwei Projekte intensiv kümmern. Dass diese Vorgehensweise richtig ist, bestätigte sich dann beim Besuch des Krankenhauses mit dem dortigen Chefarzt Ruslav Fjodorow. Neben baulichen Mängeln, immer noch fehlenden Einrichtungsgegenständen usw. - ist das Hauptproblem im Transport von Kranken und operierten Patienten zu sehen: Sie werden ohne Fahrstuhl - denn der ist nicht mehr reparabel - einfach von Etage zu Etage "konventionell" getragen, sei es nun in ihr Zimmer oder in den Operationssaal. Für die Delegation und Bürgermeister Kusnezov stand und steht fest, hier schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen. So wurde vereinbart, dass sich Angerapp um Planung und Kostenkalkulation kümmert, um dann mit Mettmann die weitere Vorgehensweise zu vereinbaren. Nachdem die Delegation den Küchentrakt besichtigt hatte, stand fest, dass die Renovierung - bisher besteht seit längerer Zeit eine Baustelle - umgehend in Angriff genommen werden sollte. Hierzu stellte die Delegation spontan privat eine Spende von 200 € zur Verfügung, die Bürgermeister Kusnezov mit großer Freude entgegennahm. Hierzu muß man ausführen, dass die Gesamtkosten zur Renovierung bei ca. 500 € liegen.
Die abendliche Zusammenkunft mit allen Delegationen endete mit der Teilnahme am großen Feuerwerk auf dem "Platz des Sieges".
Der Sonntag gehörte mit der Einladung zum IX. Internationalen Reitturnier - das zu den zehn angesehensten Springturnieren in ganz Europa zählt - nach Tschernjachowsk/Insterburg - zum Besichtigungsprogramm ausserhalb von Osjorsk. Der offizielle CSI-Status der Internationalen Reitsport-Föderation FEI führte dazu, dass Sportler aus 15 Ländern anwesend waren, u.a. die deutschen Olympia-Sieger Franke Sloothaak und Lars Nieberg, natürlich heftig unterstützt von der deutschen Delegation. Der Nachmittag stand im Zeichen der Besichtigung des Frischen Haffs und der dortigen Wanderdünen. Der Ostseestrand präsentierte sich bei schönstem Wetter.
Für Montag standen Gespräche mit der Leiterin der Grundschule Drachenberg, des Gymnasiums und des Waisenhauses an. An der Grundschule Drachenberg unterrichtet Irina Palamatschuk - die offizielle Dolmetscherin für die Delegation aus Mettmann - Deutsch. Auch hier kamen wieder bauliche Mängel -insbesondere in den Sanitärräumen - zur Sprache. Die Schulleiterin wurde gebeten, eine Mängelliste aufzustellen. Das Gymnasium erhält zur Zeit neue Sanitärräume, die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Das Waisenhaus (24 Jungen und Mädchen im Alter von 3 bis 16 Jahren) hat Bedarf an Kleidung, Schulartikeln, Spielsachen, Wäsche und Haushaltsgegenständen, eine Liste wird erarbeitet. Nach einem Gespräch mit der Leiterin des Waisenhauses wurden spontan Geldbeträge für die Anschaffung eines Schweins und von Hühnern - zur 'Versorgung mit Fleisch - zur Verfügung gestellt. Edeltraut Mai von der Kreisgemeinschaft und das Ehepaar Fischer waren großzügig.
Bevor es am Nachmittag auf die Heimreise ging, gab es erneut ein Gespräch mit Bürgermeister Kusnezov. Hier bedankte er sich nochmals für den erstmaligen Besuch einer Rats- und Verwaltungsdelegation aus Mettmann und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass es nunmehr möglich werde, der "Hilfe zur Selbsthilfe" den Vorrang zu geben. In Anlehnung an das Gespräch von Samstag ergänzte er seine Ausführungen um die Bitte nach einem Jugendaustausch - 2006 steht ein Freizeitheim mit 20 Zimmern für Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung; er könne sich auch einen Schulaustausch vorstellen (z.B. Lehrer aus Russland nach Mettmann).
Die Heimreise vom Kaliningrader Hauptbahnhof nach Mettmann-Stadtwald erfolgte wiederum durch die "Berlin-Kaliningrad-Express" und endete nach 24 Stunden. Ereignis- und lehrreiche Tage gingen zu Ende. Die vielen Eindrücke müssen erst einmal verarbeitet werden, aber eins steht heute schon fest: Es wird sich lohnen, dieser Gemeinde und dem Bezirk in jedweder Form beizustehen - die Menschen sind neben ihrer Freundlichkeit, ihrer Gastlichkeit, ihrer Aufgeschlossenheit - mit keinerlei Vorbehalten behaftet - nach einer gewissen "Lehrzeit" in der Lage, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. In Auswertung der bereits vor 10 Jahren begonnenen Organisation der Hilfstransporte - hier insbesondere von Mettmanner Seite die Bergungsbereitschaft des Kreises Mettmann und der Kreisgemeinschaft Angerapp - hat sich ein gutes Klima der Verständigung entwickelt. Dazu beigetragen haben sicher auch die Besuche von Bürgermeister Kusnezov bei seinem Mettmanner Amtskollegen Nowodworski im Jahre 2002 und 2004.
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© Kreisstadt Mettmann , zuletzt geändert am 20.10.2005