Als sein Reisebüro während des Lockdowns in der Corona-Pandemie geschlossen war, hat Geschäftsmann Bernd Wychlacz eine schwere und entbehrungsreiche Zeit durchgemacht. Keine Buchungen, keine Geschäfte, kein Geld – eine Zeit voller Sorgen. Doch anstatt zu verzweifeln stürzte sich der Tourismusfachwirt in ein digitales Abenteuer, das ihn zwei Jahre lang gefesselt und viel Zeit gekostet hat. Er hat eine App entwickelt, die ihre Nutzerinnen und Nutzer als Stadtführer zu den schönsten historischen Plätzen und Sehenswürdigkeiten in der Mettmanner Innenstadt führt.
Die Idee kam Wychlacz in Speyer, als er eine digitale Stadtführung erlebte und begeistert war. „Das wäre doch auch was für Mettmann“, dachte sich der Geschäftsmann und machte sich wieder zurück in Mettmann an die Arbeit.
Nach einer zweijährigen Entwicklungszeit ist die App jetzt scharf geschaltet. Wer sie nutzen möchte, kann sich gegen eine Gebühr von 15 Euro den QR-Code für die App in Wychlacz‘ Reisebüro „art reisen“ in der Mühlenstraße, in der auch die Tourist-Info untergebracht ist, aufs Handy oder Tablet herunterladen – und dann kann es direkt losgehen.
Bei einem rund eineinhalbstündigen Stadtrundgang verrät die App dem Nutzer viel Interessantes und Wissenswertes über die Stadt und ihre lange Geschichte. Die historische Expertise holte sich der Tourismusfachwirt bei der Bürger- und Heimatvereinigung „Aule Mettmanner“. Vorstandsmitglied Gudrun Wolfertz, die ehemalige Stadtarchivarin, stand ihm unter anderem mit Rat und Tat zu Seite. Rolf Julius gab dem digitalen Stadtführer seine Stimme. Mettmanner Geschichte und Geschichtchen „kallt“ er in Mettmanner Platt. Heimatgeschichte auch fürs Ohr.
Für die Führung mit insgesamt zwölf Stationen hat sich Wychlacz an den Standorten von sechs Glas-Stelen orientiert, die von den „Aulen“ im Rahmen des Projekts „Sprechende Stadt“ aufgestellt wurden und die historischen Zugänge zur Stadt sowie zwei zentrale Orte im Zentrum markieren.
Startpunkt der Stadtführung ist die Straße Am Königshof, die namentlich an die Keimzelle Mettmanns, den Königshof, erinnert. Von dort geht es durch die Fußgängerzone in die historische Oberstadt und über den Jubiläumsplatz zurück zur Mühlenstraße.
Bei der interaktiven App können die „User“ auch Punkte sammeln, indem sie Fragen über Mettmann richtig beantworten. Wer am Ende ausreichend gepunktet hat, kann sich nach dem Rundgang auf eine kleine, süße Überraschung freuen.
Wychlacz versteht sich auch als Ideengeber. Er kann sich vorstellen, dass sich nun Interessierte in der Stadt zusammensetzen, um die App zu erweitern, oder um weitere Apps für Mettmann zu planen, beispielsweise für Kinder. „Für die Gestaltung könnten vielleicht die Mediengestalter am Berufskolleg Neandertal gewonnen werden“, sagte Bürgermeisterin Sandra Pietschmann bei der Vorstellung des digitalen Stadtführers, mit dem sie demnächst auch einmal auf Mettmanns alten Pfaden wandeln möchte.

