Blick auf Gut Heresbach (März 2026)
Blick auf Gut Heresbach. (Foto: Kreisstadt Mettmann)

Gut Heresbach aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Pressemeldung vom 5. März 2026
 

Was für ein Glücksfall. Gut Heresbach, eines der bedeutendsten und größten Baudenkmäler Mettmanns, ist aus dem Dornröschenschlaf erweckt worden. Nachdem das Wohnhaus an der Stadtgrenze zu Wuppertal jahrelang leer stand und wie die Wirtschaftsgebäude der Hofanlage immer mehr dem Verfall preisgegeben war, ist die Rettung des historischen Ortes, an dem vor 530 Jahren Mettmanns berühmter Sohn Konrad Heresbach das Licht der Welt erblickte, angelaufen.

Gut Heresbach

Bereits 1326 ist an der Stelle des heutigen Gutes ein Bauernhof urkundlich überliefert. Der Hof gehörte ab dem Hochmittelalter zur Honschaft Obmettmann, die als Teil des Amtes Mettmann zur Grafschaft Berg, dem späteren Herzogtum gehörte. Das Hofensemble besteht aus einem Wohnhaus, einem Torbau, einer großen und einer kleinen Scheune, einer Remise sowie einem Backhaus, zwischen denen sich verschiedene begrünte Freiflächen befinden. Eine historische Schmiede gehörte auch zum Gut, liegt heute als einziges Gebäude des Hofs auf einem benachbarten Grundstück. Neben dem Hof fließt der namensgebende Heresbach, der ungefähr 210 Meter südöstlich in die Düssel mündet. Mehr als 300 Jahre war Gut Heresbach im Besitz der Familie Scherler, bis es im September 2025 an die neuen Eigentümer überging.

Konrad-Heresbach

Konrad Heresbach wurde 1496 auf Gut Heresbach geboren; er starb 1576 in Rees. Der Sohn eines begüterten Landwirts studierte die Artes Liberales, Theologie und Jurisprudenz an deutschen, französischen und italienischen Universitäten.

Konrad Heresbach

Konrad Heresbach

Seit 1520 war er mit Erasmus von Rotterdam befreundet, der ihm zunächst eine Professur für Griechisch in Freiburg vermittelte, 1523 dann die Stelle des Erziehers des Erbprinzen Wilhelm von Kleve. Noch vom Vater Wilhelms, Herzog Johann III., wurde Heresbach 1535 zum Geheimen Rat ernannt. Diplomatische Missionen führten ihn an zahlreiche Höfe Europas. Daneben war er auf verschiedenen Reichstagen, zahlreichen Synoden und Religionsverhandlungen vertreten. Weitere Informationen zu seiner Biografie gibt es hier auf der Homepage. 

„Neandervalley“

Nun wird Gut Heresbach zu neuem Leben erweckt und in einen modernen Arbeitsort zwischen Tradition und Moderne transformiert, in eine Ideenschmiede für Startups, die sich unter anderem mit den großen Fragen und Herausforderungen unserer Zeit beschäftigen. Eine Gruppe junger Unternehmer wird unter dem Namen „Neandervalley“ Büros und Co-Working-Flächen, Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten und Werkstattflächen einrichten. Darüber hinaus soll das Erbe Konrad Heresbachs, sein Schaffen und Wirken, bewahrt und gewürdigt werden. Ein wichtiger Leitsatz der Unternehmer ist das berühmte Zitat Konrad Heresbachs: „…denn es gilt Irrtümer auszurotten, nicht Menschen“. Unter diesem Leitgedanken soll Gut Heresbach zu einem Ort des Miteinanders, des Schaffens und der Bildung entwickelt werden.

Neandervalley

Blick in die Zukunft: Die Ideenschmiede „Neandervalley“ auf Gut Heresbach (Bild: privat)

Neben der Sanierung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude, der Remisen und Pferdetränken ist ein maßvoller, landschaftsgerechter, moderner und lichtdurchfluteter Ersatzbau für die einstige Strohscheune, die nur noch teilweise erhalten ist, geplant. Im September des vergangenen Jahres hat die Eigentümergemeinschaft Gut Heresbach erworben und mit der Sicherung der Gebäude begonnen. 

Derzeit werden mehrere Erschließungsalternativen als Grundvoraussetzung für das gesamte Vorhaben durch die Stadt Mettmann, Straßen NRW und den Kreis Mettmann geprüft. Da das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet „Gruiten Nord-Ost/Hahnenfurt“ liegt, muss eine Zufahrt gefunden werden, die sowohl die Sicherheit des Verkehrs als auch die Belange des Landschaftsschutzes berücksichtigt. Im Moment laufen dazu die Abstimmungen zwischen den Akteuren.

Auch der Landschaftsverband Rheinland, das Amt für Denkmalpflege im Rheinland und die Bezirksregierung sind eine große Unterstützung bei der Rettung von Gut Heresbach. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte zudem signalisiert, dass das Vorhaben nicht raumbedeutsam ist und einer Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes zugestimmt werden kann. Ende 2025 hatte die Mettmanner Politik einer Bebauungsplanänderung zugestimmt, um die Sanierung und maßvolle Erweiterung des kulturlandschaftsprägenden Gutes zu ermöglichen. 

Aktuell: Bund unterstützt die Sanierung mit 437.500 Euro

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese und der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Klaus Wiener haben jetzt mitgeteilt, dass der Wiederaufbau von Gut Heresbach in das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes aufgenommen wird. Für die Sanierung und Restaurierung des Anwesens sollen rund 437.500 Euro bereitgestellt werden.

Die Nachricht hat nicht nur bei den neuen Eigentümern große Freude ausgelöst, sondern auch im Rathaus, vor allem bei Stadtkonservatorin Dr. Yasmin Renges, die mit ihrer Expertise maßgeblich das Antragsverfahren hat. „Gefördert werden über dieses Programm national wertvolle Kulturdenkmäler“, so Yasmin Renges, „was zeigt, welche Bedeutung das Anwesen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus hat.“   

Schenkung von Unterlagen an das Stadtarchiv

Die neuen Eigentümer von Gut Heresbach haben historische Dokumente, die sie beim Entrümpeln entdeckt hatten, dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Diese werden dort fachgerecht aufbewahrt und nutzbar gemacht. Die Unterlagen dokumentieren die Belegschaft im frühen 20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, aber auch den landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes mit einem Schwerpunkt in den 1960er- und 1970er-Jahren. Es ist eine wertvolle Ergänzung der Bestände im Stadtarchiv über die Hofanlage.

Alte Unterlagen von Gut Heresbach

Alte Unterlagen von Gut Heresbach, die beim Entrümpeln entdeckt wurden, wurden dem Stadtarchiv übergeben. (Foto: Kreisstadt Mettmann)