Die Stadt hat im Juli mit dem Gutachterbüro BBH die vorläufigen Ergebnisse des Gutachtens zum Versorgungsgebiet Laubacher Feld besprochen. Dabei wurde deutlich, dass für eine abschließende Bewertung nach wie vor entscheidende Informationen des Energieversorgers fehlen.
Trotz wiederholter Aufforderungen wurden bis heute nicht alle relevanten Informationen, wie z.B. Preisblätter der vergangenen Jahre für die Versorgung im Laubacher Feld vorgelegt. Der Gutachter musste die Informationen, die darin enthalten sind, mühsam durch eigene Recherchen beschaffen. Diese Informationen sind für das Gutachten von zentraler Bedeutung: Nur durch die vollständige Offenlegung der Preisblätter kann der Gutachter eine fachlich fundierte und unabhängige Prüfung der bisherigen Kalkulationen vornehmen. Ohne diese Unterlagen bleibt unklar, ob die in Rechnung gestellten Kosten gerechtfertigt waren und wie die zukünftige Preisentwicklung sachgerecht zu bewerten ist.
Bürgermeisterin Sandra Pietschmann stellt klar: „Im Interesse der Bürgerinnen und Bürger darf die finale Vorlage des Gutachtens nicht länger durch fehlende Zuarbeit des Versorgers verzögert werden. Die Kooperationsbereitschaft der Rhenag ist bis dato ungenügend. Eine aktive und zeitnahe Mitwirkung des Energieversorgers ist zwingend erforderlich, um das Verfahren verantwortungsvoll abzuschließen und endlich Klarheit zu schaffen.“
Nach Veröffentlichung des Gutachtens werden gegebenenfalls die Grundlagen der Preisgestaltung unmittelbar angepasst und Rechnungskorrekturen für das laufende und auch für vorangegangene Jahre vorgenommen. Anschließend wird die Verwaltung in jedem zweiten Jahr, zum ersten Mal in 2027, eine erneute Überprüfung der Preisgestaltung verlangen.
Die Stadt steht fest an der Seite der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Bürgerinitiative. Ziel ist es, für Transparenz zu sorgen und die Wärmeversorgung im Laubacher Feld nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten. Ein „weiter so“ wird es daher nicht geben. Politik und Verwaltung haben im Mai, in der Sitzung des Ausschusses für Klima, Umwelt und Mobilität, die Ausschreibung von Ingenieurleistungen angestoßen, die konkrete Wege zu einer zeitgemäßen und bezahlbaren Energieversorgung aufzeigen sollen.
Die auszuschreibenden Ingenieursleistungen folgen einem Dreiklang und sollen unter anderem folgende Facetten beleuchten:
- Prüfen, was da ist: Alle Heizungsanlagen, Leitungen und Übergabestellen werden genau erfasst. Außerdem wird der Wärmebedarf der angeschlossenen Häuser rechnerisch ermittelt. So entsteht ein klares Bild, wie die Anlagen unter Berücksichtigung von Leistung, Effizienz, Wärmeverlusten und Klimabilanz heute dastehen.
- Schnell verbessern, wo es geht: Es wird untersucht, welche kurzfristigen baulichen oder organisatorischen Maßnahmen die Situation kurzfristig etwa durch geringere Wärmeverluste oder eine bessere Anpassung der Leistung an den tatsächlichen Bedarf verbessern können.
- Langfristig klimafreundlich umstellen: Auf Basis dieser Ergebnisse wird ein Konzept erarbeitet, wie die Fernwärme im Laubacher Feld Schritt für Schritt dekarbonisiert werden kann. Dabei geht es um Fragen, welche erneuerbaren Energien eingebunden werden können und wie sich Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit langfristig sichern lassen?
Eine kluge und zeitgemäße Ausrichtung der Wärmeversorgung im Laubacher Feld ist geboten, denn das Fernwärmekonzept dort stammt im Kern noch aus den 1980er-Jahren. Zwar wurden 2017 Modernisierungen an den Wärmeerzeugungsanlagen vorgenommen, doch viele Bewohnerinnen und Bewohner beklagen nach wie vor hohe Kosten, geringe Wirkungsgrade und einen hohen Ausstoß von Kohlendioxid. Hinzu kommt, dass durch neue gesetzliche Vorgaben im Zuge der Kommunalen Wärmeplanung zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ohnehin in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen notwendig sein werden. Dies ist ein zentraler Baustein für die künftige Energie- und Wärmeversorgung in der gesamten Stadt. Im städtischen Haushalt werden dafür Mittel berücksichtigt.
Die Stadt verschweigt nicht, dass frühere Entscheidungen der Verwaltung zur heutigen Lage beigetragen haben. Vor rund 30 Jahren wurden grundlegende planerische Fehler begangen. Zudem kam für die Bürgerinnen und Bürger und die Stadt der bestehende Vertrag mit dem Energieversorger hinzu, der eine Reihe von Dingen nicht abschließend regelt. Weitere Versäumnisse stellen die über Jahre hinweg nicht erfolgten Preisüberprüfungen dar. Diese Versäumnisse werden nun offen benannt – und es wird alles dafür getan, dass sie sich nicht wiederholen.
Die Stadt unterstützt die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Bürgerinitiative. Dennoch weist die Verwaltung an dieser Stelle darauf hin, dass der Technische Beigeordnete Tobias Janseps am 24. Juli der Bürgerinitiative die Hintergründe geschildert und auf die notwendigen Auskünfte der Rhenag, die noch ausstehen, verwiesen hatte. Das gemeinsame Ziel muss es sein, endlich Transparenz zu schaffen, Verantwortung klar zu benennen und die Versorgung im Laubacher Feld so zu gestalten, dass sie zuverlässig, bezahlbar und zukunftsfähig wird.
Die noch offenen Fragen sollen mit dem Versorger in einem von der Stadt eingeforderten Termin in der kommenden Woche geklärt werden. Sobald die Fragen geklärt und durch den Gutachter bearbeitet worden sind, werden die vollständigen Ergebnisse des Gutachtens öffentlich vorgestellt.

