Die Nachricht, dass die Geburtshilfe im Evangelischen Krankenhaus Mettmann (EVK) zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden soll, bedauere ich sehr. Für Mettmann ist dies ein schmerzhafter Verlust. Eine wohnortnahe Geburtshilfe ist weit mehr als eine medizinische Leistung: Sie gehört für viele Menschen zu einer guten und verlässlichen Daseinsvorsorge und gibt werdenden Eltern Sicherheit in einer ganz besonderen Lebensphase.
Dank an Krankenhauspersonal und Geschäftsführung
Mein erster Gedanke gilt den Mitarbeitenden der Geburtshilfe. Hebammen, Ärzte sowie alle weiteren Beschäftigten haben über viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet und unzählige Familien einfühlsam, kompetent und professionell begleitet. Sie haben über viele Jahre dafür gesorgt, dass Kinder in Mettmann sicher und unter guter medizinischer und menschlicher Betreuung zur Welt kommen konnten. Diese Arbeit verdient unsere Anerkennung und unseren Respekt. Gleichzeitig möchte ich die Krankenhausführung für ihr langjähriges Engagement für die Geburtshilfe würdigen. Ich weiß aus einem persönlichen Gespräch mit der Geschäftsführung des EVK, welches vor Bekanntgabe der Schließung stattfand, dass die Krankenhausführung in den vergangenen Monaten und Jahren erhebliche finanzielle und personelle Anstrengungen unternommen hat, um die Schließung der Station abzuwenden. Am Ende haben jedoch die politischen Regelungen auf Bundes- und Landesebene mit ihren strukturellen Vorgaben und finanziellen Rahmenbedingungen entscheidend dazu beigetragen, dass dieser Schritt offensichtlich unausweichlich geworden ist.
Kritik an Gesundheitspolitik von Bund und Land
Die Schließung der Geburtshilfe in Mettmann ist leider kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine bundesweite Entwicklung ein, bei der in den letzten Jahren bereits zahlreiche Geburtsstationen aufgeben werden mussten. Die Entscheidung ist deshalb nicht einfach als Entscheidung gegen die Geburtshilfe in Mettmann zu verstehen. Sie ist vielmehr Ausdruck eines gesundheitspolitischen Systems, das Krankenhäuser zunehmend vor schwierigere wirtschaftliche Herausforderungen stellt.
Die Geburtshilfe ist dabei ein besonders sensibles Beispiel. Wenn wir einerseits über Familienfreundlichkeit und die Bedeutung von Kindern für unsere Gesellschaft sprechen, dürfen wir andererseits nicht zulassen, dass wohnortnahe Angebote für werdende Eltern Schritt für Schritt verschwinden. Die Schließung der Geburtshilfe ist für mich nicht nur eine betriebswirtschaftliche Entscheidung eines Krankenhauses. Sie ist ein Weckruf an die Gesundheitspolitik.
Auch wenn Krankenhäuser in der heutigen Zeit wirtschaftlich arbeiten müssen, darf Gesundheit nicht zur gewöhnlichen Ware werden. Der Wert einer Geburtshilfe lässt sich nicht allein anhand von Fallzahlen und einer betriebswirtschaftlichen Bilanz beurteilen. Hinter jeder Geburt steht eine Familie – und hinter jeder medizinischen Infrastruktur steht die Frage, wie sicher und gut Menschen in ihrer Heimatstadt versorgt werden können. Deshalb sehe ich den zunehmenden Sparkurs in der Gesundheitspolitik mit großer Kritik. Wenn Krankenhäuser wegen steigender Kosten, wachsender Anforderungen und gleichzeitig unzureichender beziehungsweise immer stärker eingeschränkter Finanzierung unter Druck geraten, darf die politische Antwort nicht darin bestehen, den Einrichtungen anschließend vorzuwerfen, dass bestimmte Angebote nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Wer wohnortnahe medizinische Versorgung erhalten will, muss auch bereit sein, die dafür notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Gerade bei der Geburtshilfe hat die Nähe zur medizinischen Einrichtung für werdende Eltern eine besondere Bedeutung. Die Entwicklung in Mettmann zeigt deshalb auch, dass die Gesundheitsversorgung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge verstanden werden muss. Bund und Land tragen hier eine besondere Verantwortung. Die Kommunen stehen am Ende häufig vor den Folgen gesundheitspolitischer Entscheidungen, obwohl sie auf die Finanzierung und die gesetzlichen Rahmenbedingungen nur sehr begrenzten Einfluss haben. Ich erwarte deshalb von der Bundes- und Landespolitik, dass sie sich mit der Frage auseinandersetzt, wie viel uns eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung wert ist. Wer immer höhere Anforderungen an Krankenhäuser stellt und gleichzeitig die finanziellen Spielräume weiter einschränkt, darf sich über die daraus resultierenden Auswirkungen nicht wundern.
Gesundheitsversorgung in Mettmann sichern
Für Mettmann bedeutet die Entscheidung zugleich, dass wir nach vorne schauen müssen. Ich begrüße ausdrücklich, dass das EVK die Gynäkologie mit ihrem umfangreichen medizinischen Angebot am Standort erhalten will. Ebenso wichtig ist mir, dass für die Hebammen und Beschäftigten der Geburtshilfe gute und tragfähige Perspektiven entwickelt werden. Ich wünsche mir, dass das EVK, die Stadt Mettmann und die weiteren Beteiligten diesen Prozess gemeinsam gestalten. Wir sollten alles daransetzen, die medizinische Versorgung am Standort Mettmann langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.

